Im Autismus-Therapiezentrum Köln-Mülheim wird Kochen und Backen jetzt noch stärker Teil der Förderung. Möglich macht das die Unterstützung der Eisenmann Doben Stiftung, einer Treuhandstiftung unter dem Dach der CaritasStiftung.
Für viele Kinder und Jugendliche aus dem Autismus-Spektrum ist der Weg zu mehr Selbstständigkeit mit besonderen Herausforderungen verbunden. Gerade alltägliche Situationen, die für andere selbstverständlich wirken, brauchen oft Übung, Struktur und verlässliche Begleitung. Genau hier setzt das neue Küchenprojekt im ATZ Köln-Mülheim an.
Die Mitarbeitenden vor Ort hatten die Idee, regelmäßige Kochangebote und eine Kochgruppe aufzubauen. Dank der Förderung konnte die bereits vorhandene Küche dafür gezielt weiterentwickelt werden. Neben einer kleinen Renovierung wurden ein großer Tisch, passende Sitzmöglichkeiten, Küchengeräte, Geschirr und weitere Grundausstattung angeschafft. So entstand ein Raum, in dem gemeinsames Lernen und gemeinsames Erleben möglich werden.
Besonders wichtig ist dabei, dass Kochen nicht erst in der Küche beginnt. Oft startet das Training schon beim Einkauf. Für manche Kinder und Jugendlichen ist allein dieser Schritt neu und herausfordernd. Ein Marktbesuch oder ein Gang in den Supermarkt bringt viele Reize mit sich. Geräusche, Helligkeit, Gerüche und Unvorhersehbarkeit können schnell überfordern. Deshalb werden diese Situationen gemeinsam vorbereitet, begleitet und im Anschluss besprochen. So lernen die jungen Menschen, Reize besser einzuordnen, eigene Belastungsgrenzen wahrzunehmen und Strategien für den Alltag zu entwickeln.
In der Küche selbst geht es dann um mehr als um Rezepte. Es geht um Planung, ums Schneiden, Belegen, Backen, Tischdecken und gemeinsames Essen. Unterstützend wirken dabei auch einfache, durchdachte Hilfen wie Tischsets mit Aufdruck, die Orientierung beim Decken geben. Besonders beliebt sind herzhafte Sandwiches aus dem Sandwichmaker, Pizza mit individuell belegtem Teig oder, wenn schon etwas mehr Sicherheit da ist, auch Obstsalat und andere Rezepte mit mehreren Arbeitsschritten.
Gerade diese kleinen, gut überschaubaren Abläufe stärken Selbstvertrauen und Eigenständigkeit. Die Kinder und Jugendlichen erleben, dass sie selbst etwas schaffen können. Und sie erleben, dass das Ergebnis nicht nur sichtbar, sondern auch unmittelbar genussvoll ist.
Besonders schön wird es, wenn Eltern oder Geschwister zur Verkostung eingeladen sind. Dann sitzen alle gemeinsam am gedeckten Tisch, probieren, lachen und kommen ins Gespräch. Viele Eltern erleben ihr Kind in diesen Momenten noch einmal ganz neu. Stolz, Freude und Selbstwirksamkeit werden sichtbar. Das stärkt nicht nur die jungen Menschen selbst, sondern oft auch die Beziehung in der Familie.
Auch in der Adventszeit zeigte sich, wie viel Potenzial in diesem Angebot steckt. Beim Plätzchenbacken, allein oder in kleinen Gruppen, half ein klarer Ablauf dabei, Sicherheit zu geben. Jede und jeder konnte im eigenen Tempo arbeiten, mit genügend Abstand und zugleich als Teil einer gemeinsamen Aktivität. Das macht das Angebot für viele besonders passend.
Das Küchenprojekt im ATZ Köln-Mülheim zeigt, wie alltagsnah Förderung sein kann. Aus gemeinsamen Einkäufen, kleinen Handgriffen und selbst zubereiteten Mahlzeiten wächst etwas, das weit über den Moment hinausreicht: mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und mehr Selbstständigkeit im Alltag.
